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CSRD und KMU: Was das Omnibus-Paket für Dein Unternehmen wirklich bedeutet

Von Joe Martin · · Regulierung

Infografik: CSRD vor und nach EU-Omnibus-Paket 2026 — neue Schwelle 1.000 Mitarbeitende und 450 Millionen Euro Umsatz, 90 Prozent KMU ohne direkte Pflicht

Das EU-Omnibus-Paket hat die Nachhaltigkeitsberichtspflicht (CSRD) für die meisten KMU offiziell entschärft. Seit März 2026 gilt Richtlinie (EU) 2026/470 — und damit eine neue, deutlich höhere Schwelle. Klingt nach guten Neuigkeiten. Und ist es — aber nur zur Hälfte.

Was sich geändert hat

Die ursprüngliche CSRD (Richtlinie 2022/2464/EU) hätte Unternehmen ab 250 Mitarbeitenden schon für das Geschäftsjahr 2025 zur Nachhaltigkeitsberichterstattung verpflichtet: Dutzende ESRS-Datenpunkte, externe Prüfpflicht, erheblicher Vorbereitungsaufwand. Das Omnibus-Paket hat diesen Zeitplan grundlegend geändert.

Die neue Schwelle nach Richtlinie (EU) 2026/470 (Omnibus I, in Kraft seit 18. März 2026): Direkt berichtspflichtig ab Geschäftsjahr 2027 sind nur noch Unternehmen mit mehr als 1.000 Mitarbeitenden und mehr als 450 Millionen Euro Nettoumsatz — beide Kriterien müssen gleichzeitig erfüllt sein. Über 90 Prozent aller KMU fallen damit aus der direkten Pflicht heraus.

Auch die Berichtsanforderungen wurden entschärft: Statt 80 und mehr ESRS-Datenpunkten sieht die Reform rund 60 Prozent weniger Pflichtelemente vor. Die externe Prüfpflicht wurde von Reasonable Assurance auf Limited Assurance reduziert. Und Unternehmen haben bis 2028 Zeit für den ersten Bericht unter der neuen Schwelle.

Value-Chain-Cap: Anfragen ablehnen ist möglich

Die Omnibus-Richtlinie enthält einen Value-Chain-Cap für KMU: Wer weniger als 1.000 Mitarbeitende hat, darf Nachhaltigkeitsdaten-Anfragen von berichtspflichtigen Kunden ablehnen, wenn diese über den freiwilligen VSME-Standard hinausgehen. EFRAG entwickelt diesen Standard; die EU-Kommission plante dessen Formalisierung als delegierten Rechtsakt für Sommer 2026.

Der VSME (Voluntary SME Standard) ist modular aufgebaut — ein Basic- und ein Comprehensive-Modul — und definiert, welche Daten KMU realistisch bereitstellen können. Wer sich auf diesen Standard beruft, hat eine rechtlich vertretbare Grundlage, um überbordende Anfragen abzulehnen.

Was das für Zulieferer bedeutet

Juristisch frei, wirtschaftlich unter Druck: Wer Großkonzerne oder industrielle Kunden beliefert, wird de facto nach Nachhaltigkeitsdaten gefragt — unabhängig davon, was das Gesetz vorschreibt. Berichtspflichtige Unternehmen müssen Scope-3-Emissionen aus ihrer Lieferkette in den ESRS-Bericht aufnehmen. Ohne Zahlen von Zulieferern fehlt ihnen ein Pflichtteil des eigenen Berichts.

Die Nachhaltigkeitsanfrage kommt. Ablehnen ist möglich — aber wer den Auftrag nicht gefährden will, liefert besser eine strukturierte Antwort auf Basis des VSME-Standards.

Fair gesagt

Das Omnibus-Paket war ein echter Schritt nach vorne. Ursprünglich hätten mittelständische Unternehmen ab 250 Mitarbeitenden ab 2026 berichten müssen — mit erheblichem Aufwand, hohen Beratungskosten und einer Prüfpflicht, die viele KMU schlicht nicht stemmen konnten. Der politische Kurswechsel kam rechtzeitig.

Der eigentliche Haken

Das Gesetz schützt vor dem Formular — nicht vor dem Druck. Wer als Zulieferer Nachhaltigkeitsdaten verweigert, riskiert keinen Bußgeldbescheid, aber möglicherweise den Auftrag. Und: Der Value-Chain-Cap schützt nur vor CSRD-spezifischen Anfragen. Andere EU-Verordnungen — etwa die EU-Entwaldungsverordnung oder die Zwangsarbeitsverordnung — können weiterhin eigene Datenanforderungen stellen.

Wo Deutschland steht

Deutschland hat die CSRD-Richtlinie bislang noch nicht vollständig in nationales Recht umgesetzt (Stand Juli 2026). Ein Regierungsentwurf liegt seit September 2025 vor; das Umsetzungsgesetz setzt die Omnibus-Schwellen 1:1 um, ohne Gold-Plating. Die Umsetzungsfrist für EU-Mitgliedstaaten läuft bis 19. März 2027.

Für Unternehmer: Weiterführende Grundlagen

Nachhaltigkeit als Lieferantenanforderung trifft besonders schnell wachsende Unternehmen, die Firmengründung und erste Großkundenbeziehungen verbinden. Wer eine Selbstständigkeit aufbaut und in B2B-Märkten aktiv ist, sollte den VSME-Standard kennen. Für alle, die Startups gründen und von Anfang an auf Corporate-Kunden zielen: Nachhaltigkeitsdaten als Teil des Onboarding-Prozesses einzuplanen spart später viel Aufwand. Wer die Nachhaltigkeitspflichten im Kontext anderer EU-Regulierungen verstehen will, findet Überblicke zur EU-Lieferkettenpflicht (CSDDD) und zum Digitalen Produktpass (ESPR).

Häufige Fragen

Müssen KMU mit weniger als 250 Mitarbeitenden einen Nachhaltigkeitsbericht erstellen?+
Nein. Nach dem EU-Omnibus-Paket (Richtlinie 2026/470, in Kraft seit März 2026) sind ab Geschäftsjahr 2027 nur noch Unternehmen mit mehr als 1.000 Mitarbeitenden UND mehr als 450 Millionen Euro Umsatz direkt berichtspflichtig — beide Kriterien gleichzeitig. Die überwiegende Mehrheit der KMU fällt damit heraus.
Was ist der Value-Chain-Cap im Omnibus-Paket und was bedeutet er für KMU?+
Der Value-Chain-Cap erlaubt KMU (unter 1.000 Mitarbeitende), Nachhaltigkeitsdaten-Anfragen von berichtspflichtigen Kunden abzulehnen, wenn diese über den freiwilligen VSME-Standard hinausgehen. Rechtlich ist die Ablehnung damit möglich — aber wirtschaftlich kann es Aufträge kosten, wenn der Großkunde die Daten für seinen eigenen ESRS-Bericht braucht.
Was ist der VSME-Standard und wer braucht ihn?+
Der VSME (Voluntary SME Standard) ist ein freiwilliger Nachhaltigkeitsberichtsstandard für kleinere Unternehmen, entwickelt von EFRAG. Er definiert, welche Daten KMU als Zulieferer realistisch bereitstellen sollen. Die EU-Kommission plante seine Veröffentlichung als delegierten Rechtsakt für Sommer 2026. Wer sich auf den VSME beruft, hat eine rechtlich vertretbare Grundlage, um überbordende Anfragen abzulehnen.
Was sind Scope-3-Emissionen und warum stehen KMU trotzdem unter Druck?+
Scope-3-Emissionen umfassen alle indirekten Emissionen in der Lieferkette eines Unternehmens — also auch die Emissionen seiner Zulieferer. Berichtspflichtige Großunternehmen müssen Scope-3-Daten in ihrem ESRS-Bericht ausweisen. Dafür brauchen sie Zahlen von ihren Lieferanten. Das erzeugt wirtschaftlichen Druck auf KMU, auch wenn diese rechtlich nicht selbst berichtspflichtig sind.
Wann muss Deutschland die CSRD-Richtlinie umsetzen?+
Die Umsetzungsfrist für EU-Mitgliedstaaten läuft bis 19. März 2027. Deutschland hatte die ursprüngliche CSRD-Richtlinie noch nicht vollständig umgesetzt (Stand Juli 2026). Ein Regierungsentwurf zur 1:1-Umsetzung der Omnibus-Schwellen liegt vor; das Umsetzungsgesetz war im April/Mai 2026 zur parlamentarischen Abstimmung geplant.

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Über den Autor

Joe Martin baut seit über 45 Jahren Unternehmen — als Gründer, als Verkäufer eigener Firmen und als Berater für Startups und Banken. Er ist Autor von vier Büchern und entwickelt heute KI-Software. In der offenen Macher-Session beantwortet er reale Unternehmer-Fragen — kein Theorie-Kurs. Mehr über Joe Martin →

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