EU ETS 2 ab 2028: Höhere Energiekosten für jeden Betrieb — was KMU jetzt wissen müssen
BEHG bis 2027, ETS 2 ab 2028 — der Unterschied zählt
Bis Ende 2027 zahlen Brennstofflieferanten in Deutschland einen staatlich festgesetzten CO₂-Preis nach dem Brennstoffemissionshandelsgesetz (BEHG): 55 Euro pro Tonne CO₂ in 2025, maximal 65 Euro in 2027. Dieser Deckel entfällt ab 2028. Dann übernimmt das EU-Emissionshandelssystem 2 (ETS 2) — und der Preis bildet sich am Markt.
Für KMU ist das kein theoretisches Problem. Jede Tankfüllung, jede Gasrechnung, jede Heizöllieferung enthält einen CO₂-Anteil, den der Lieferant an die Abnehmer weitergibt. Je höher der ETS-2-Preis, desto höher die Energierechnung — ohne dass der Betrieb selbst am Emissionshandel teilnimmt.
Was EU ETS 2 ist und wen es direkt verpflichtet
EU ETS 2 basiert auf der EU-Richtlinie 2023/959/EU, die die bestehende ETS-Richtlinie 2003/87/EG um einen eigenen Handelszweig für Gebäude, Straßenverkehr und kleine Industrieanlagen erweitert. Die Rechtssystematik: Brennstofflieferanten erhalten eine Emissionsgenehmigung und müssen jährlich Zertifikate abgeben, die ihrem CO₂-Ausstoß entsprechen. Diese Zertifikate kaufen sie an EU-Auktionen.
Direkt pflichtig: Mineralölhändler, Gaslieferanten, Heizölhändler (Steuerschuldner nach Energiesteuergesetz).
Nicht direkt pflichtig: Betriebe, die Heizöl, Gas oder Kraftstoff kaufen und nutzen — also die große Mehrheit der KMU in Deutschland.
Der Kostendurchschlag erfolgt trotzdem, weil Lieferanten die Zertifikatskosten in ihre Preise einrechnen.
Was Heizöl, Diesel und Gas ab 2028 mehr kosten könnten
Bei einem CO₂-Preis von 80 Euro pro Tonne — ein mittleres Szenario für den ETS-2-Auktionsmarkt — entstehen folgende Mehrkosten gegenüber einer Welt ohne CO₂-Abgabe:
- Diesel und Heizöl: ca. +25 Cent pro Liter
- Benzin: ca. +22 Cent pro Liter
- Erdgas: ca. +1,6 Cent pro kWh
Konkret für einen typischen Betrieb: 10 Dieselfahrzeuge (je 15.000 km, 7 L/100 km) verbrauchen rund 10.500 Liter Diesel pro Jahr. Dazu eine Gasheizung mit 200.000 kWh Jahresverbrauch. Ergebnis bei €80/t:
- Diesel-Mehrkosten: 10.500 × 0,25 = 2.625 Euro
- Gas-Mehrkosten: 200.000 × 0,016 = 3.200 Euro
- Gesamt: rund 5.800 Euro mehr pro Jahr — im mittleren Szenario
Bei €100/t CO₂ werden aus diesen 5.800 Euro gut 7.200 Euro. Und verschiedene Prognosemodelle sehen für 2030 Preise bis 100–250 Euro pro Tonne.
Fair betrachtet: ETS 2 trifft nicht alle gleich
Wer seinen Betrieb bereits auf Wärmepumpe, Fernwärme oder Elektrofahrzeuge umgestellt hat, ist von ETS 2 praktisch nicht betroffen — das System erfasst nur fossile Brennstoffe. Und der EU-Sozialklimafonds, der 2026 in Kraft tritt, stellt Mittel bereit, die auch an Kleinstunternehmen ausgezahlt werden sollen.
Zudem gibt es einen initialen Preismechanismus: Falls Zertifikatspreise eine kritische Schwelle überschreiten, greift die Market Stability Reserve und erhöht das Angebot — das dämpft kurzfristige Preisausschläge nach oben.
Der entscheidende Unterschied zu BEHG: Planungsunsicherheit
Mit dem BEHG hatten Betriebe ein einfaches Instrument: Der CO₂-Preis war gesetzlich festgelegt, kalkulierbar, ohne Schwankungen. Ab 2028 gilt das nicht mehr. Der ETS-2-Preis wird von Angebot, Nachfrage, Klimapolitik und makroökonomischen Faktoren abhängen.
Betriebe, die jetzt anfangen, ihren Energieverbrauch zu dokumentieren und CO₂-Preisszenarien in die Investitionsplanung einzubauen, sind 2028 besser aufgestellt als solche, die erst dann reagieren.
Drei Maßnahmen, die jetzt Sinn machen
- Energieverbrauch erfassen: Heizöl-, Gas- und Dieselmengen pro Jahr dokumentieren — Grundlage für jede Kostenkalkulation.
- Szenarien rechnen: Mehrkosten bei €60, €80 und €100/t durchrechnen und Budgets anpassen.
- Effizienz investieren: Dämmung, Heizungsmodernisierung (Wärmepumpe, Fernwärme), Fuhrpark-Elektrifizierung — diese Investitionen schützen strukturell vor ETS-2-Preissteigerungen, weil sie den fossilen Energiebedarf reduzieren.
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Häufige Fragen
Muss mein Betrieb am EU ETS 2 direkt teilnehmen?+
Wann startet EU ETS 2 genau und was passiert mit dem BEHG?+
Wie viel mehr zahle ich als KMU ab 2028 für Diesel, Heizöl und Gas?+
Wie hoch könnte der CO₂-Preis ab 2030 unter EU ETS 2 werden?+
Was kann mein Betrieb jetzt tun, um sich auf EU ETS 2 vorzubereiten?+
Du willst wissen, was das für deinen Betrieb bedeutet?
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Melde dich für die Macher-Session an- EU-Richtlinie 2023/959/EU — Änderung der ETS-Richtlinie 2003/87/EG (EUR-Lex)
- DEHSt: EU-ETS 2 für Gebäude und Straßenverkehr
- EU-Kommission: ETS 2 — Buildings, Road Transport and Additional Sectors
Hinweis: Allgemeine Einordnung, keine Rechtsberatung im Einzelfall. Stand: 12. August 2026.