EU-Geldwäscheverordnung 2027: Neue Pflichten für Immobilienmakler, Steuerberater und Kryptohändler
Neue EU-Behörde, neue Regeln — direkt anwendbar
Ab 10. Juli 2027 gilt die Verordnung (EU) 2024/1624 in allen 27 EU-Mitgliedstaaten — ohne Umsetzungsgesetz, ohne nationalen Spielraum. Damit endet eine Ära, in der die EU Geldwäscherichtlinien vorgab, Mitgliedstaaten jedoch bei der nationalen Umsetzung erheblichen Interpretationsspielraum behielten. Deutschland hat das Geldwäschegesetz (GwG) über die Jahre mehrfach angepasst — ab 2027 gelten die EU-Regeln direkt.
Wer bereits nach GwG arbeitet, wird vieles wiedererkennen. Der Unterschied liegt im Detail und in der Verbindlichkeit.
Wer ist betroffen?
Artikel 3 der Verordnung listet die verpflichteten Unternehmen (Obliged Entities) auf. Für kleine und mittlere Betriebe relevant sind vor allem:
- Immobilienmakler und -verwalter — bei Kauf, Verkauf und Mietverträgen ab bestimmten Wertgrenzen
- Steuerberater, Wirtschaftsprüfer und Notare — bei Transaktionen für Mandanten
- Händler mit Edelmetallen, Edelsteinen und hochwertigen Gütern — Goldschmiede, Antiquitätenhändler, Kunsthändler
- Kryptowerte-Dienstleister — Wallets, Exchanges, Transferdienste
- Glücksspielanbieter und Crowdfunding-Plattformen
Rechtsanwälte sind erfasst, wenn sie in finanziellen oder gesellschaftsrechtlichen Angelegenheiten für Mandanten tätig werden — nicht bei rein prozessualer Tätigkeit.
Betriebe mit sehr geringem Umfang können von Mitgliedstaaten ausgenommen werden: maximal 1.000 Euro pro Kunde pro Transaktion, Finanzanteil unter 5 Prozent des Gesamtumsatzes. Wer regelmäßig in den genannten Bereichen tätig ist, fällt in aller Regel nicht unter diese Ausnahme.
Was sich konkret ändert
Bargeld-Obergrenze: EU-weit einheitlich 10.000 Euro — kein nationaler Spielraum mehr.
Identifizierungspflicht: Kunden müssen ab 3.000 Euro bei Barzahlungen identifiziert werden. Die Pflicht gilt auch bei Verdacht auf Geldwäsche oder Terrorismusfinanzierung, unabhängig vom Betrag.
UBO-Nachweis: Der wirtschaftlich Berechtigte (Ultimate Beneficial Owner) muss bei einer Beteiligung von mindestens 25 Prozent nachgewiesen werden — neu: ausdrücklich auch bei indirekten Strukturen (Berechnung per Multiplikation und Addition über Zwischengesellschaften).
Compliance-Beauftragter auf Leitungsebene: Verpflichtete Unternehmen müssen einen Geldwäschebeauftragten auf Geschäftsleitungsebene benennen. Für kleine Kanzleien und Einzelunternehmen bedeutet das: Die Verantwortung liegt beim Inhaber oder Geschäftsführer persönlich.
Sanktionslisten-Screening: Nicht nur bei Aufnahme einer Geschäftsbeziehung, sondern laufend — bei jedem relevanten Geschäftsvorgang.
Datenaufbewahrung: Standardmäßig bis zu 5 Jahre, bei Hochrisikokunden maximal 1 Jahr (Datenschutzminimierung).
AMLA: Die neue EU-Aufsicht in Frankfurt
Die Anti-Money Laundering Authority (AMLA) ist seit dem 1. Juli 2025 in Frankfurt operativ. Sie gibt europaweit verbindliche technische Standards vor, übernimmt die Koordination zwischen nationalen Behörden und führt ab 2028 die direkte Aufsicht über die 40 höchstriskantesten Institute in der EU.
Für die meisten KMU in den verpflichteten Branchen: Die nationale Aufsicht (BaFin, FIU) bleibt zuständig — aber nach einheitlichen EU-Standards, die AMLA vorgibt. Lokale Interpretationen, die bisher manche Branchen de facto entlastet haben, entfallen.
Was Betriebe jetzt tun sollten
Die Verordnung tritt erst 2027 in Kraft — der Aufbau einer rechtssicheren Compliance-Struktur braucht jedoch Vorlaufzeit. Besonders kleine Kanzleien, Maklerbüros und Kryptodienste ohne bestehende Compliance-Abteilung sollten jetzt:
- Prüfen, ob sie unter die verpflichteten Branchen fallen
- UBO-Daten für bestehende Geschäftsbeziehungen erheben und dokumentieren
- Einen internen Geldwäschebeauftragten benennen
- Prozesse für Sanktionslisten-Screening einrichten
Die Verordnung bringt für viele Betriebe keine völlig neuen Konzepte — aber sie macht bisherige nationale Spielräume verbindlich und lückenlos.
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Häufige Fragen
Gilt die EU-Geldwäscheverordnung auch für kleine Immobilienmakler mit wenigen Mitarbeitern?+
Was ist ein wirtschaftlich Berechtigter (UBO) und wie muss ich ihn nachweisen?+
Was ändert sich gegenüber dem deutschen Geldwäschegesetz (GwG)?+
Was macht die AMLA und wie betrifft sie deutsche Unternehmen?+
Ab wann müssen Betriebe handeln, wenn die Verordnung erst 2027 gilt?+
Du willst wissen, was das für deinen Betrieb bedeutet?
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Melde dich für die Macher-Session an- EUR-Lex: Verordnung (EU) 2024/1624 (Volltext)
- EUR-Lex: Zusammenfassung VO (EU) 2024/1624 — ab 2027
- AMLA Frankfurt — Anti-Money Laundering Authority
Hinweis: Allgemeine Einordnung, keine Rechtsberatung im Einzelfall. Stand: 26. August 2026.