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Textil-EPR ab 2028: Wer Kleidung und Schuhe verkauft, zahlt bald für die Entsorgung

Von Joe Martin · · Regulierung

Infografik Textil-EPR: Richtlinie (EU) 2025/1892 verpflichtet Hersteller, Importeure und Händler von Bekleidung, Schuhen, Heimtextilien und Accessoires zur Registrierung und zu ökomodulierten Gebühren. Zeitstrahl: in Kraft 16.10.2025, Umsetzung in Deutschland bis 17.06.2027, EPR-Systeme aktiv ab 17.04.2028.

Wer Kleidung, Schuhe oder Heimtextilien verkauft, kennt die Kostenseite bisher als Einkauf, Lager und Versand. Bald kommt ein neuer Posten dazu: die Entsorgung der Ware am Ende ihres Lebens. Mit der Richtlinie (EU) 2025/1892 hat die EU eine erweiterte Herstellerverantwortung für Textilien beschlossen. Sie ändert die Abfallrahmenrichtlinie 2008/98/EG und verlagert die Kosten für Sammlung und Verwertung von Alttextilien auf diejenigen, die die Ware in Verkehr bringen — auch auf kleine Betriebe.

Was sich ändert

Die Novelle wurde am 26. September 2025 im Amtsblatt der EU verkündet und ist am 16. Oktober 2025 in Kraft getreten. Sie verpflichtet jeden Mitgliedstaat, eine erweiterte Herstellerverantwortung (EPR) für Textilien einzuführen. Das Prinzip ist aus anderen Bereichen bekannt — etwa bei Verpackungen oder Elektrogeräten: Wer ein Produkt auf den Markt bringt, trägt die Verantwortung und die Kosten für dessen Entsorgung.

Erfasst werden nach Anhang IVc der Richtlinie:

Als Hersteller gilt dabei, wer die Ware erstmals in einem EU-Mitgliedstaat in Verkehr bringt. Das umfasst Hersteller, Importeure und bestimmte Händler — ausdrücklich auch den Fernabsatz. Ein kleiner Online-Shop, der T-Shirts oder Sneaker aus dem Ausland bezieht und in Deutschland verkauft, fällt darunter. Ausgenommen sind Gebrauchtwaren-Händler und Maßschneider.

Was das für dich heißt

Zwei Pflichten stehen im Zentrum:

Diese Beiträge werden ökomoduliert. Das heißt: Langlebige, reparierbare und gut recyclingfähige Textilien werden mit niedrigeren Gebühren belegt, kurzlebige Wegwerf-Mode mit höheren. Wer auf Qualität und Kreislauffähigkeit setzt, zahlt weniger — wer auf Masse und schnelle Wegwerfware setzt, mehr.

Die Fristen im Überblick:

Fair gesagt

Das Ziel der Regelung ist berechtigt. In der EU fallen jährlich mehrere Millionen Tonnen Alttextilien an, von denen bislang nur ein kleiner Teil sinnvoll verwertet wird. Es ist ökonomisch schlüssig, die Kosten der Entsorgung denen zuzuordnen, die die Ware in Umlauf bringen — und nicht allein der Allgemeinheit. Die Ausnahme für Gebrauchtwaren-Händler und Maßschneider zeigt, dass der Gesetzgeber die kleinen, kreislauforientierten Akteure nicht zusätzlich belasten will. Und die Vorgabe, dass Herstellerverantwortungsorganisationen KMU nicht unverhältnismäßig belasten dürfen, ist ausdrücklich in der Richtlinie verankert.

Der eigentliche Haken

Die deutsche Umsetzung steht noch nicht. Offen sind zentrale Punkte: der genaue sachliche Anwendungsbereich, wer im Detail zahlungspflichtig ist und wie Online-Handel und Plattformen eingebunden werden. Kleine Betriebe planen damit gegen ein bewegliches Ziel. Klar ist die Richtung — Registrierung, Mengenmeldung und Gebühren kommen; unklar sind die Details, die erst mit dem nationalen Umsetzungsgesetz bis Mitte 2027 feststehen.

Das Risiko liegt im Timing: Wer die Mengenerfassung seiner Textilien erst dann aufsetzt, wenn das Gesetz steht, hat keine belastbaren Daten für die erste Meldung. Sinnvoll ist, schon jetzt zu erfassen, welche Mengen an Bekleidung, Schuhen und Heimtextilien pro Jahr in Verkehr gebracht werden — das ist die Grundlage jeder späteren Gebührenmeldung.

Was du jetzt tun kannst

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Häufige Fragen

Was regelt die erweiterte Herstellerverantwortung für Textilien?+
Die Richtlinie (EU) 2025/1892 ändert die EU-Abfallrahmenrichtlinie 2008/98/EG und verpflichtet jeden Mitgliedstaat, eine erweiterte Herstellerverantwortung (EPR) für Textilien einzuführen. Wer Textilien in Verkehr bringt, finanziert künftig die getrennte Sammlung, Sortierung und Verwertung der Alttextilien. Die Richtlinie ist am 16. Oktober 2025 in Kraft getreten.
Wer gilt als Hersteller und ist damit betroffen?+
Als Hersteller gilt, wer Textilprodukte erstmals in einem Mitgliedstaat in Verkehr bringt — das schließt Hersteller, Importeure und bestimmte Händler ein, auch im Fernabsatz. Damit ist auch ein kleiner Online-Shop betroffen, der Bekleidung aus dem Ausland importiert und in Deutschland verkauft. Ausgenommen sind Gebrauchtwaren-Händler und Maßschneider.
Welche Produkte werden erfasst?+
Erfasst sind die in Anhang IVc der Richtlinie aufgeführten Textilerzeugnisse und textilbezogenen Produkte sowie Schuhe — konkret unter anderem Bekleidung, Schuhe, Heimtextilien und Accessoires.
Welche Pflichten kommen konkret auf Unternehmen zu?+
Betroffene Unternehmen müssen sich in ein Herstellerregister eintragen und laufende finanzielle Beiträge an eine Herstellerverantwortungsorganisation zahlen. Die Beiträge bemessen sich an der in Verkehr gebrachten Menge und werden ökomoduliert: langlebige, reparierbare und recyclingfähige Ware wird günstiger, kurzlebige Wegwerf-Mode teurer.
Bis wann müssen Unternehmen die Pflichten umsetzen?+
Die Mitgliedstaaten müssen die Richtlinie bis zum 17. Juni 2027 in nationales Recht umsetzen. Funktionsfähige EPR-Systeme für Textilien müssen ab dem 17. April 2028 bestehen. Bis dahin sollten Unternehmen ihre Mengenerfassung und Meldeprozesse aufbauen.
Gibt es eine Ausnahme für kleine Unternehmen?+
Eine generelle KMU-Befreiung ist nicht vorgesehen — die Pflicht knüpft an das Inverkehrbringen an, nicht an die Unternehmensgröße. Die Richtlinie bestimmt allerdings, dass Herstellerverantwortungsorganisationen kleine und mittlere Unternehmen nicht unverhältnismäßig belasten dürfen. Die konkrete deutsche Umsetzung, einschließlich der Rolle von Online-Handel und Plattformen, steht noch aus.

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Über den Autor

Joe Martin baut seit über 45 Jahren Unternehmen — als Gründer, als Verkäufer eigener Firmen und als Berater für Startups und Banken. Er ist Autor von vier Büchern und entwickelt heute KI-Software. In der offenen Macher-Session beantwortet er reale Unternehmer-Fragen — kein Theorie-Kurs. Mehr über Joe Martin →

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