Tierhaltungskennzeichnung ab 2027: Was Metzgereien und Hofläden jetzt wissen müssen
Ab dem 1. Januar 2027 muss frisches Schweinefleisch beim Verkauf an Endverbraucher die Haltungsform des Tieres tragen. Das gilt für die Supermarktkette genauso wie für die Metzgerei mit fünf Beschäftigten oder den Hofladen. Eine Ausnahme für kleine Betriebe sieht das Tierhaltungskennzeichnungsgesetz nicht vor. Gleichzeitig will die Bundesregierung das Gesetz bis zum Start grundlegend umbauen, und Brüssel bremst. Für Betriebe heißt das: Sie müssen sich auf eine Pflicht vorbereiten, deren endgültige Regeln wenige Wochen vor dem Stichtag noch offen sind.
Was ab 1. Januar 2027 gilt
Das Tierhaltungskennzeichnungsgesetz (TierHaltKennzG) stammt vom August 2023. Der Start war für den 1. August 2025 geplant. Der Bundestag hat ihn zweimal verschoben: zuerst auf den 1. März 2026, dann am 15. Januar 2026 auf den 1. Januar 2027.
Kennzeichnungspflichtig ist nach heutiger Fassung:
- frisches Fleisch von Mastschweinen (Tiere ab zehn Wochen bis zur Schlachtung)
- einschließlich Hackfleisch, ohne Fleischzubereitungen
- verpackt und lose an der Theke
Jedes Produkt bekommt eine von fünf Haltungsformen nach § 4: Stall, Stall+Platz, Frischluftstall, Auslauf/Weide und Bio. Bei loser Ware steht die Angabe nach § 9 auf einem Schild direkt am Produkt oder unmittelbar daneben. Verstöße kosten nach § 38 bis zu 30.000 Euro.
Was das für kleine Betriebe bedeutet
Wer Schweinefleisch an Endverbraucher abgibt, muss für jedes Stück wissen, aus welcher Haltungsform das Tier stammt. Thekenschilder, Preisauszeichnung und Warenwirtschaft müssen diese Angabe führen. Wer mehrere Lieferanten mit unterschiedlichen Haltungsformen hat, muss die Ware sauber getrennt halten.
Fair ist: Ware, die vor dem 1. Januar 2027 in Verkehr gebracht wurde, darf abverkauft werden. Und Kunden wollen die Information. Laut BMEL-Ernährungsreport 2022 nennen 89 Prozent Angaben zur Tierhaltung wichtig oder sehr wichtig.
Der Haken: Importware ist ausgenommen
Nach § 3 gilt die Kennzeichnungspflicht nicht für Fleisch von Tieren, die im Ausland gehalten wurden. Wer regional bei deutschen Erzeugern einkauft, trägt also den Aufwand. Wer importiert, nicht.
Die geplante Reform
Der Referentenentwurf des Bundeslandwirtschaftsministeriums vom 17. April 2026 will das ändern. Geplant sind:
- Kennzeichnungspflicht auch für ausländisches Fleisch
- Ausweitung auf bestimmte verarbeitete Lebensmittel, etwa gekochten oder gepökelten Schinken
- Ausweitung auf die Außer-Haus-Verpflegung: Restaurants, Kantinen, Imbisse
- mehr Spielraum beim „Downgrading", also der Kennzeichnung mit einer niedrigeren Stufe
- Inkrafttreten am 1. Januar 2027, altes Logo bis 1. Juli 2027 im Abverkauf
Der Entwurf beziffert den zusätzlichen jährlichen Erfüllungsaufwand der Wirtschaft auf rund 12,3 Millionen Euro, vollständig Bürokratiekosten aus Informationspflichten. Dazu kommen rund 2,2 Millionen Euro einmalig.
Brüssel bremst
Die EU-Kommission hat den Entwurf im Notifizierungsverfahren am 11. August 2026 beanstandet, vor allem die Pflicht für Fleisch aus anderen Mitgliedstaaten. Sie sieht Konflikte mit dem freien Warenverkehr nach den Artikeln 34 bis 36 AEUV. Die Stillhaltefrist läuft bis zum 12. November 2026. Vorher darf Deutschland das Gesetz nicht beschließen. Danach bleiben sieben Wochen bis zum Stichtag.
Was jetzt zu tun ist
- Bei allen Lieferanten die Haltungsform für jede Lieferung schriftlich abfragen
- Thekenschilder und Preisauszeichnung für die fünf Stufen vorbereiten
- Warenwirtschaft und Kassensystem prüfen, ob sie die Haltungsform führen können
- Gastronomen: die Reform beobachten, sie würde Speisekarten und Bestellsysteme betreffen
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Häufige Fragen
Ab wann gilt die Tierhaltungskennzeichnung?+
Gilt die Tierhaltungskennzeichnung auch für kleine Metzgereien und Hofläden?+
Welche Lebensmittel sind betroffen?+
Wie wird lose Ware an der Fleischtheke gekennzeichnet?+
Müssen Restaurants und Kantinen ab 2027 kennzeichnen?+
Welche Bußgelder drohen?+
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Melde dich für die Macher-Session an- Tierhaltungskennzeichnungsgesetz (TierHaltKennzG) — gesetze-im-internet.de
- Deutscher Bundestag — Pflicht zur Verwendung der Tierhaltungskennzeichnung verschoben (15.01.2026)
- BMLEH — Referentenentwurf Drittes Gesetz zur Änderung des Tierhaltungskennzeichnungsgesetzes (17.04.2026)
- fleischerei.de — EU kritisiert Gesetzentwurf zur Tierhaltungskennzeichnung
Hinweis: Allgemeine Einordnung, keine Rechtsberatung im Einzelfall. Stand: 7. Oktober 2026.