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Tierhaltungskennzeichnung ab 2027: Was Metzgereien und Hofläden jetzt wissen müssen

Von Joe Martin · · Regulierung

Infografik Tierhaltungskennzeichnung: Zeitstrahl mit den verschobenen Terminen 1. August 2025 und 1. März 2026, dem Ende der EU-Stillhaltefrist am 12. November 2026 und der Pflicht ab 1. Januar 2027, darunter die fünf Haltungsformen Stall, Stall+Platz, Frischluftstall, Auslauf/Weide und Bio als Stufen.

Ab dem 1. Januar 2027 muss frisches Schweinefleisch beim Verkauf an Endverbraucher die Haltungsform des Tieres tragen. Das gilt für die Supermarktkette genauso wie für die Metzgerei mit fünf Beschäftigten oder den Hofladen. Eine Ausnahme für kleine Betriebe sieht das Tierhaltungskennzeichnungsgesetz nicht vor. Gleichzeitig will die Bundesregierung das Gesetz bis zum Start grundlegend umbauen, und Brüssel bremst. Für Betriebe heißt das: Sie müssen sich auf eine Pflicht vorbereiten, deren endgültige Regeln wenige Wochen vor dem Stichtag noch offen sind.

Was ab 1. Januar 2027 gilt

Das Tierhaltungskennzeichnungsgesetz (TierHaltKennzG) stammt vom August 2023. Der Start war für den 1. August 2025 geplant. Der Bundestag hat ihn zweimal verschoben: zuerst auf den 1. März 2026, dann am 15. Januar 2026 auf den 1. Januar 2027.

Kennzeichnungspflichtig ist nach heutiger Fassung:

Jedes Produkt bekommt eine von fünf Haltungsformen nach § 4: Stall, Stall+Platz, Frischluftstall, Auslauf/Weide und Bio. Bei loser Ware steht die Angabe nach § 9 auf einem Schild direkt am Produkt oder unmittelbar daneben. Verstöße kosten nach § 38 bis zu 30.000 Euro.

Was das für kleine Betriebe bedeutet

Wer Schweinefleisch an Endverbraucher abgibt, muss für jedes Stück wissen, aus welcher Haltungsform das Tier stammt. Thekenschilder, Preisauszeichnung und Warenwirtschaft müssen diese Angabe führen. Wer mehrere Lieferanten mit unterschiedlichen Haltungsformen hat, muss die Ware sauber getrennt halten.

Fair ist: Ware, die vor dem 1. Januar 2027 in Verkehr gebracht wurde, darf abverkauft werden. Und Kunden wollen die Information. Laut BMEL-Ernährungsreport 2022 nennen 89 Prozent Angaben zur Tierhaltung wichtig oder sehr wichtig.

Der Haken: Importware ist ausgenommen

Nach § 3 gilt die Kennzeichnungspflicht nicht für Fleisch von Tieren, die im Ausland gehalten wurden. Wer regional bei deutschen Erzeugern einkauft, trägt also den Aufwand. Wer importiert, nicht.

Die geplante Reform

Der Referentenentwurf des Bundeslandwirtschaftsministeriums vom 17. April 2026 will das ändern. Geplant sind:

Der Entwurf beziffert den zusätzlichen jährlichen Erfüllungsaufwand der Wirtschaft auf rund 12,3 Millionen Euro, vollständig Bürokratiekosten aus Informationspflichten. Dazu kommen rund 2,2 Millionen Euro einmalig.

Brüssel bremst

Die EU-Kommission hat den Entwurf im Notifizierungsverfahren am 11. August 2026 beanstandet, vor allem die Pflicht für Fleisch aus anderen Mitgliedstaaten. Sie sieht Konflikte mit dem freien Warenverkehr nach den Artikeln 34 bis 36 AEUV. Die Stillhaltefrist läuft bis zum 12. November 2026. Vorher darf Deutschland das Gesetz nicht beschließen. Danach bleiben sieben Wochen bis zum Stichtag.

Was jetzt zu tun ist

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Häufige Fragen

Ab wann gilt die Tierhaltungskennzeichnung?+
Die Kennzeichnung ist ab dem 1. Januar 2027 Pflicht. Der Start war ursprünglich für den 1. August 2025 geplant und wurde zweimal verschoben: zuerst auf den 1. März 2026, dann mit Bundestagsbeschluss vom 15. Januar 2026 auf den 1. Januar 2027. Ware, die vor dem 1. Januar 2027 in Verkehr gebracht wurde, darf abverkauft werden.
Gilt die Tierhaltungskennzeichnung auch für kleine Metzgereien und Hofläden?+
Ja. Das Gesetz verpflichtet jeden Lebensmittelunternehmer, der kennzeichnungspflichtige Lebensmittel an Endverbraucher abgibt. Eine Ausnahme nach Betriebsgröße oder für Direktvermarkter enthält § 3 TierHaltKennzG nicht.
Welche Lebensmittel sind betroffen?+
Nach geltendem Recht frisches Fleisch von Mastschweinen im Sinne der Verordnung (EG) Nr. 853/2004, einschließlich Hackfleisch, verpackt und lose. Fleischzubereitungen sind nach heutiger Fassung nicht erfasst. Der Reformentwurf will verarbeitete Ware wie Schinken einbeziehen.
Wie wird lose Ware an der Fleischtheke gekennzeichnet?+
Nach § 9 TierHaltKennzG steht die Kennzeichnung auf einem Schild direkt am Lebensmittel oder unmittelbar daneben. Für den Kunden muss klar erkennbar sein, auf welches Produkt sich die Angabe bezieht.
Müssen Restaurants und Kantinen ab 2027 kennzeichnen?+
Nach geltendem Recht nicht. Der Referentenentwurf des Bundeslandwirtschaftsministeriums vom 17. April 2026 sieht die Ausweitung auf die Außer-Haus-Verpflegung vor, also Restaurants, Kantinen und Imbisse. Beschlossen ist das noch nicht. Die EU-Stillhaltefrist für den Entwurf läuft bis zum 12. November 2026.
Welche Bußgelder drohen?+
§ 38 TierHaltKennzG sieht Geldbußen bis 30.000 Euro für schwerere Verstöße wie fehlerhafte Kennzeichnung vor, für die übrigen Tatbestände bis 10.000 Euro.

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Über den Autor

Joe Martin baut seit über 45 Jahren Unternehmen — als Gründer, als Verkäufer eigener Firmen und als Berater für Startups und Banken. Er ist Autor von vier Büchern und entwickelt heute KI-Software. In der offenen Macher-Session beantwortet er reale Unternehmer-Fragen — kein Theorie-Kurs. Mehr über Joe Martin →

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